Adventskalender

Türchen Nr. 1

Endlich geht es los mit dem ersten Türchen. Eigentlich hatte ich ein anderes Gedicht für den 1. Dezember geplant aber da es heute so schön geschneit hat wollte ich unbedingt ein Gedicht über Schnee bringen.

Viel Spaß damit!

 

Meyer IX. im Schnee von Erich Kästner

Der Schnee hängt wie kandiertes Obst im Wald.

Es war ganz  gut, daß ich gleich gestern fuhr.

Den Bäumen sind vielleicht die Füße kalt…

Doch was weiß unsereins von der Natur.

Der Schnee, das könnte klarer Zucker sein.

Als Kind hat man oft ähnliches geglaubt.

Wieso fällt mir das heute wieder ein,

und weshalb überhaupt?

Vorher sind Wolken da. Und nachher schneit’s.

Wie aber kommt der Schnee da erst hinauf?

Die Welt ist, wie gesagt, von großem Reiz.

Man paßt nur gar nicht auf.

Die kleinen Flocken tanzen ein Ballett,

und viele große Berge sehen zu.

Das schneit und schneit! Die Erde liegt zu Bett.

Und kaltes Wasser hab ich auch im Schuh.

Wenn man so ganz allein im Walde steht,

begreife man nur sehr schwer,

wozu man in Büros und Kinos geht.

Und plötzlich will man alles das nicht mehr!

Ich las, es soll die ganze Woche schein.

Für einen Menschen, der auf sich was hält,

ist es nicht leicht, im Schnee allein zu sein.

Da wackelt, eh er’s denkt, die ganze Welt.

Na ja. Schon gut. Dort fließt ja auch ein Bach

und tut, als gäbe es weiter nichts als ihn.

Es ist so furchtbar still. Mir fehlt der Krach.

Die ersten Nächte lieg ich sicher wach

und möchte nach Berlin.

 

Quelle: Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke, S. 88.

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